INTERVIEW MIT THE KIDS (#4)

The Kids? Yeah, The Kids! Für mich eine der besten Punkbands ever! Auf ihren ersten beiden Platten „The Kids“ und „Naughty Kids“ sind eigentlich nur Hits. Und auch ihre dritte LP „Living in the 20th century”, die zwar schon etwas poppiger ist, enthält noch eine Menge Hits. Wären The Kids aus den USA oder Großbritannien gekommen, dann würden sie heute bestimmt in einem Atemzug mit den ganz großen Bands jener Zeit genannt werden, so liefen und laufen sie immer noch als Geheimtip. Aber das hat natürlich auch was für sich. Man wird wohl eher wenige Bankangestellten oder Versicherungsvertreter mit einem The Kids Badge oder T-Shirt rumlaufen sehen. Um so größer war natürlich meine Freude, als ich erfuhr, das sie im JUZ Bingen live spielen sollten. Schnell den Patti kontaktiert und schon waren wir Vorband von The Kids. Yeah! Das Konzert selbst war dann auch der Hammer! Selten hat mich eine Rentnerpunkband so begeistert. In den letzten Jahren haben sich ja so einige alte englische Bands wieder zusammengefunden und auf die Bühnen dieser Welt getraut. In den absolut meisten Fällen, war dies dann nur Scheiße. Alte dickbäuchige Männer, die die Hits ihrer Jugend in grausamen Rocksound zum Besten gaben. Nicht so The Kids. Zwar hat der Zahn der Zeit stark an ihnen genagt, aber was die alten Männer da am 1.10. auf der kleinen JUZ Bühne zum Besten gaben, war grandios. Ihr merkt schon, ihr schwelge in Superlativen, aber zurecht, wie mir die Anwesenden an jenem Abend sicher bestätigen werden. Die Band strotzte nur so vor Spielfreude und Energie, das es eine wahre Freude war. Ihre zum Teil fast dreißig Jahre alten Hits klangen frisch und verbraucht. Das die Jungs zum Teil schon die 50 überschritten hatten, merkte man ihnen zu keiner Sekunde an. Für mich war das Konzert auf jeden Fall ein absoluter Highlight. Ihre ersten beiden Platten sollte man auch relativ problemlos als Bootleg bekommen. Außerdem haben sie vor einiger Zeit eine feine Live Best of CD ond eine schicke DVD veröffentlicht. Und letzten März erschien dann sogar noch eine drei Track EP, die auch sehr gefällt. Besonders der Titeltrack „Freedom, Liberty, Democracy“ ist ein echter Knaller. Keine Frage, das da ein Interview her musste. Sänger Ludo erklärte sich dann freundlicherweise bereit, mir meine Fragen zu beantworten. Doch zunächst einmal ein kleiner Auszug aus der Bandhistory.
Gegründet wurden The Kids 1976 von Ludo Mariman und den de Haehs Brüdern. 1977 unterschrieben sie einen Plattenvertrag bei der Phonogram. 1978 erschien dann auch ihr selbstbetiteltes Debut und später im Jahr auch schon ihre zweite Platte „Naughty Kids“. Außerdem stieg Luk Van De Poel als zweiter Gitarrist in die Band mit ein. 1979 verließ Drummer Eddy de Haes die Band und wurde durch Cesar Janssens ersetzt. 1980 erschien dann ihre dritte Platte „Living in the 20th Century“. Im Jahr darauf veröffentlichten sie ihre vierte Platte „Black Out“. Danach wurde noch eine Liveplatte und die Single „Mercy Mercy“ bei der Phonogram veröffentlicht. 1985 erschien ihre fünfte und bis dato letzte LP „Gotcha!“ auf Konexion. 1986 schließlich löste sich die Band auf.
Um sich 10 Jahre später, also 1996 wieder zu reformieren. Seitdem haben sie eine Compilation CD, welche die ersten beiden LPs und ein paar Songs der dritten LP enthält, eine Live CD und eine Live DVD eröffentlicht. Und 2005 eine 3-Song CD mit brandneuen Songs. Wer noch mehr wissen will, dem sei ein Besuch auf der Homepage der Band, www.thekids.be, empfohlen. Und nun zum Interview!

Was waren die Gründe für euch die Band 1976 zu gründen? Und warum habt ihr die Band 1996 reformiert?
Als wir damals zu dritt als Band anfingen waren und technisch nicht sehr gut und erfahren waren, lernte ich Punkrock kennen. Ich reiste damals oft nach London und bemerkte schnell, das Punkrock perfekt für uns war (keine Sologitarre, schnelle und kurze Songs, man musste keine Millionen in Equipment investieren wie Bands wie Pink Floyd oder Genesis).
Wir reformierten uns 1996 weil ein paar französische Fans mich darauf aufmerksam machten, das The Kids sehr bekannt in der internationalen Punkszene seien und für viele eine der besten 70iger Punkbands überhaupt sei. Und so überzeugten sie mich zu einer Reuniontour welche ein Jahr dauerte. Und seitdem spielen wir einfach weiter, weil wir immer noch gefragt werden zu spielen.
Was für ein Gefühl ist es, vor einer Zuschauermenge zu spielen, die zum Teil Deine eigenen Kinder sein könnten?
Besser als vor einer Zuschauermenge zu spielen, wo die meisten meine Eltern sein könnten.
Ich besitze ein Bootleg der First Belgian Punk Contest Live LP. Warum spieltet ihr damals dort nicht?

as solltest du die Organisatoren fragen (Hast ja Recht, der Tipper). Wahrscheinlich hatten wir an dem Tag schon einen Gig, denn 1978 spielten wir ziemlich viel live.
Welche Bands haben eure Musik beeinflusst?
Ich habe zwei Haupteinflüsse. Zum einen The Ramones und the Sex Pistols. Ich denke das kann man ganz gut aus meiner Musik heraus hören. Und Chuck Berry, zumindest behaupten das einige belgische Journalisten.
Hörst du aktuelle Punkbands?
Manchmal höre ich mir CDs an, die mir Bands geschenkt oder geschickt haben. Aber ich höre keine Radio und schaue auch nicht viel Fernsehen.
Welche CD/LP kann man heute in deinem CD-Player/Plattenspieler finden?
Die letzte Platte war die neue CD meiner römischen Freunde TAXI. Eine tolle junge Punkband aus Italien.
Sind die drei Songs auf der neuen EP die einzigen neuen Songs seit eurer Reunion? Und warum habt ihr nur drei neue Songs bis dato veröffentlicht? Und wieso hat es solange gedauert?
Ja, die drei Songs sind die einzigen neuen Songs die wir bisher geschrieben und veröffentlicht haben. Es hat solange gedauert neue Songs für The Kids zu schreiben, da ich mich als Songwriter weiteren entwickelt habe und es würde nicht dasselbe sein wie in den 70igern. Und um ehrlich zu sein, kommen die Leute zu unseren Konzerten um ihre Favoriten aus den 70igern zu hören. Aber ich war so sauer über die Regierung der USA und ihren illegalen Krieg, das ich dazu einen Song schreiben musste. Und nachdem ich den Song geschrieben hatte, dachte ich mir, es wäre doch toll eine EP mit drei Songs zu machen und so schrieb ich noch zwei weitere Songs.
Werdet ihr demnächst ein Album veröffentlichen?
Ich weiß nicht. Ich denke eher nicht, aber man sollte nie nie sagen.
Kannst du etwas zur Punkszene in Belgien in den späten 70igern sagen? Ich denke, das es damals einige sehr gute Bands gab, wie zum Beispiel Revenge 88, Soviet War oder The Flying Stukas. Waren die Bands miteinander befreundet oder wart ihr eher distanziert zueinander?
Wir hatten guten Kontakte zu ein paar Brüsseler Bands wie Chainsaw, X-Pulsion und The Mad Virgins und zu Hubble Bubble, der Band von Schlagzeuger Roger Jouret, welcher später als Plastic Bertrand bekannt wurde. Wir hatten eigentlich fast nur gute Beziehungen zu anderen Bands, denn damals war es so Ein „Wir gegen die Welt“ Ding. Es war eine tolle Zeit, denn die Leute waren schockiert beim Anblick von ein paar Punks (jetzt versuchen sie zum Teil selbst so auszusehen).
Spielt ihr heutzutage in Originalbesetzung? Was passierte mit den alten Mitgliedern? Hast du noch Kontakt zu ihnen?
Unsere Rhythmussektion (Drums und Bass) hat gewechselt. Manchmal habe ich aber auch noch Kontakt mit Danny und Eddy, wie zum Beispiel im Vorfeld unserer DVD Veröffentlichung. Beide arbeiten für eine Wasserfirma.
Warum habt ihr euch 1985 aufgelöst?
Wir lösten uns 1985. In den 10 Jahren unserer Existenz hatten wir uns immer mehr von Punkrock immer mehr zu eher traditionellen Rock hin entwickelt. Und dies war der Grund für mich solo als Singer/Songwriter weiterzumachen. Ich brauchte eine neue Herausforderung und nachdem ich 10 Jahre immer mit den gleichen Jungs herumhing, brauchte ich einen Tapetenwechsel.
Was hast du zwischen eurer Auflösung 1985 und eurer Reunion 1996 gemacht?
Ich veröffentlichte 5 Solo CDs welche zwar gute Reviews von der Presse bekamen aber sich nicht sonderlich gut verkauften.
Könnt ihr von der Band leben oder geht ihr normalen Jobs nach? Was macht ihr neben The Kids?
Wir alle habe normale Jobs neben The Kids. Ich bin ein Teilzeit Hausmeister in einer Kunstschule.
Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Solange mit The Kids weiterspielen, wie ich in der Lage bin 100% zu geben. Und natürlich so lange, wie wir so eine gute Liveresonanz bekommen wie jetzt und uns die Leute danach fragen für sie zu spielen. Denn in den späten 70igern war es für uns schwer in einem anderen Land zu spielen, aber jetzt können wir in Deutschland, Italien, Spanien, der Schweiz und in noch viel mehr Ländern spielen. Und für uns ist es eine tolle Erfahrung, das so viele Leute in Europa The Kids lieben.
Hast Du irgendwelche letzte Worte?
Wir hatten ein großartiges Jahr und 2006 gibt es uns 30 Jahre. Ich habe niemals gedacht, das dies möglich sein würde. Und wir haben einige tolle Konzerte in Deutschland gespielt und hoffen 2006 zurück zu kommen für noch mehr atemberaubende Konzerte.
Das hoffe ich auch. Ludo, vielen Dank für das Interview!

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